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Fischotter

Biologie

Systematik | Aussehen | Sozialverhalten | Fortpflanzung | Nahrung | Spuren | Jahresverlauf

Systematik

Der Fischotter gehört in die Ordnung der Raubtiere und ist verwandt mit dem Steinmarder, dem Iltis und dem Mauswiesel.

Die einzige in Europa heimische Fischotterart hat innerhalb der Unterfamilie der Otter das grösste Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich von Westeuropa über ganz Asien bis zum Pazifik. Neben dem eurasischen Fischotter leben in Asien, Afrika und Nord- und Südamerika 12 weitere Otterarten.

Systematik der Fischotter  

Übersicht über die Verbreitung und Formenvielfalt der Otter Specialist Group


Zwergotter (Aonyx cinereus)  

Die in Ostasien verbreiteten Zwergotter (Aonyx cinereus) sind mit etwa 5 kg Körpergewicht die kleinsten Otter. Diese sehr sozialen Tiere, welche in grossen Familiengruppen mit bis zu 20 Tieren leben, sind die am wenigsten im Wasser anzutreffenden Otter. Mit ihren krallenlosen Vorderpfoten, deren Schwimmhäute zurückgebildet sind, graben sie im Sand und Schlamm nach ihren bevorzugten Beutetieren, Muscheln und Krebsen. Deren Panzer können sie mit ihren starken Zähnen knacken oder sie legen die Muscheln an die Sonne und warten, bis sich die Schalen durch die Erwärmung öffnen.


Seeotter (Enhydra lutris)  

Trotz eines vergleichbaren Speiseplans haben die Seeotter (Enhydra lutris) ganz unterschiedliche Strategien entwickelt. Als fast ausschliesslich im Wasser lebende Tiere, hat sich ihr Skelett so angepasst, dass sie sehr effizient auf dem Rücken schwimmen können. In dieser Stellung werden dann auch die Schalentiere mit einem Stein geknackt und verzehrt, was in dieser Filmsequenz (Youtube) schön zu sehen ist. Ursprünglich entlang der ganzen Küste des Nordpazifiks verbreitet, hat die starke Bejagung zur Pelzgewinnung fast zur Ausrottung und zu nur noch drei kleinen Restverbreitungsgebieten in Russland, Alaska und Kalifornien geführt.

Bild: Vicki & Chuck Rogers


Riesenotter (Pteronura brasiliensis)  

Die 2000 bis 3000 Fischarten der langsam fliessenden Flüsse im tropischen Regenwald in Südamerika bilden die Hauptnahrung für den Riesenotter (Pteronura brasiliensis). Dieser mit 1.5 bis 1.8 m grösste Otter, von den Einheimischen auch „lobo del rio“, Flusswolf genannt, besitzt eine mit dem Wolf vergleichbare Sozialstruktur (Filmsequenz Youtube).

Bild: Paul Bratescu

Mehr Informationen zu diesen drei, wie auch allen anderen Otterarten finden Sie auf der Website der Otter Specialist Group.

 

Aussehen

Der Fischotter hat einen schlanken, langgezogenen, sehr beweglichen Körper. Durch seine kurzen Beine wirkt er etwas gedrungen. Im Wasser bewegt er sich aber äusserst elegant und jagt seine Beute mit Tauchgeschwindigkeiten bis zu 7 km/h.

Fischotter tauchend

Ein Tauchgang dauert in der Regel 1-2 min. doch Fischotter können auch bis zu 7 min. untertauchen, wobei Herzschlag und Sauerstoffverbrauch gedrosselt werden. Die Nase, die Augen und die Ohren sind auf einer Ebene angeordnet. Dies erlaubt es einem an der Oberfläche schwimmenden Tier gleichzeitig geruchliche, optische und akustische Reize wahrzunehmen.


Biber in der Fischa-Dagnitz (Elwin R)

Fischotter und Biber, ähnlich, aber nicht verwandt

Biber und Fischotter sind beide eng an Gewässer gebunden und können gut schwimmen und tauchen. Diese Anpassungen an den gemeinsamen Lebensraum führen zur gewissen äusseren Ähnlichkeiten dieser beiden Arten, welche jedoch nicht näher miteinander verwandt sind.

Während der Fischotter als Marder ein typisches Raubtiergebiss mit vergrösserten Eckzähnen besitzt, hat der Biber als Mitglied der Familie der Nagetiere verlängerte und gebogene Schneidezähne mit einem sehr harten, gelborangen Schmelz, welcher es dem Biber ermöglicht, Bäume zu fällen.


Fischotterschädel (links) und Biberschädel (rechts)
(Naturhistorisches Museum Mainz, Foto: N. T. Back)

Von einem Teil dieser gefällten Bäume und deren Äste, bevorzugt von Weichhölzern wie etwa Weiden oder Pappeln, nagt der Biber die Rinde ab und frisst sie. Daneben ernährt sich der Biber vor allem im Sommer
von krautigen Pflanzen und wenn landwirtschaftliche Felder in der Nähe sind, werden auch gerne Mais und Zuckerrüben gefressen. Äste werden zudem als Nahrungsvorrat für den Winter und als Baumaterial im Wasser schwimmend zum Bau oder den Dämmen transportiert.

Mit seinen Dämmen reguliert der Biber den Wasserstand in einem Gewässer so, dass der Eingang zu seinem Bau immer unter Wasser liegt und so vor Raubtieren geschützt ist.

Biberbauten sind in der Schweiz in der Regel in das Ufer gegrabene Gänge mit einem erhöht liegenden Kessel, in welchem die Biber den Tag verbringen und die Jungtiere grossziehen. Für den Bau und Unterhalt der Dämme und Bauen sowie die Jungenaufzucht ist eine Zusammenarbeit von mehreren Tieren notwendig. Eine Biberfamilie besteht aus einem Elternpaar und den Jungtieren von zwei Jahrgängen, insgesamt zwischen
vier und zehn Tiere.

Sozialverhalten

Sozialer Einzelgänger und Familientier
Fischotter gelten allgemein als Einzelgänger. Territorien werden mit Kot markiert und gegen gleich­geschlechtliche Artgenossen verteidigt. Otter sind jedoch auch soziale Tiere und Männchen und Weibchen sind während der Paarungszeit für einige Tage in enger Zweisamkeit unter­wegs, jagen und spielen zusammen. Anders als andere Marderartige haben Fischotter keine eigent­liche Paarungssaison, viele Fischotter paaren sich jedoch im ersten Quartal des Jahres.

Die Jungtiere leben relativ lang, nämlich während ihres ersten Lebensjahrs, im Gebiet der Mutter und erlernen während dieser Zeit alles, was sie für ein selbständiges Legen brauchen. Wenn man also auf mehrere Tiere trifft, handelt es sich meist um einen solchen Familienverband.

2 Fischotter im Wasser

Zwei Fischotter auf Tauchgang im tschechischen Zoo OHRADA, Hluboka nad Vltavou (Bild Jiri Bohdal, naturphoto.cz).

Den Fischottern wird nachgesagt, sie seien schweigsame Gesellen. Während der Paarungszeit jedoch, im Zusammenhang mit der Jungenaufzucht, beim Spielen von Jungtieren und bei Revierkämpfen kommunizieren Fischotter mit einer ganzen Reihe verschiedener Geräusche und Rufe, die weit tragen können.

Siehe auch das Ethogramm des Fischotters.

Fortpflanzung

Fischotter sind das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig und paaren sich in der Regel ab dem dritten Lebensjahr. Die 2-3 Jungen sind bei der Geburt ungefähr 20 cm lang und 100 g schwer. Sie wachsen rasch heran und werden dabei von der Mutter stark umsorgt. Mit etwa 3 Monaten kommen die Jungtiere das erste Mal in Kontakt mit Wasser. Im Alter zwischen 8 und 16 Monaten verlassen sie die Mutter und sorgen anschliessend für sich selbst.

Nahrung

Bei der Nahrungssuche sind Fischotter ausgeprägte Opportunisten und haben entsprechend ein sehr breites Nahrungsspektrum. An tierischer Beute fressen sie alles, was sie überwältigen können, und in Notzeiten verzehren sie sogar pflanzliche Nahrung. Fischotter jagen abhängig von der vorhandenen Beute auch gezielt diejenigen Tiere, bei welchen der Jagdaufwand und der Beuteertrag in einem optimalen Verhältnis stehen.

Nahrung

Verschiedene Untersuchungen in England, Irland, Schweden, Dänemark, Spanien, Portugal und Griechenland, die sich mit dem Beutespektrum von Fischottern befassen, machen vor allem folgendes deutlich: Fischotter ernähren sich von einer Vielzahl von Beutetieren (Amphibien, Krebse, Vögel, Reptilien, kleine Säugetiere bis Kaninchengrösse), wobei Fische für sie mit Abstand am wichtigsten sind. Dabei kann der Nahrungsanteil der einzelnen Beutearten je nach Region und Jahreszeit enorm variieren.

Beute der Fischotter  

Im seichten Wasser eines Teichs werden die Beutetiere der Fischotter sichtbar: Saiblinge und Bachforellen (© Irene Weinberger).

Auf dem Speisezettel der Fischotter können jedoch auch Amphibien, Krebse, Vögel und Reptilien stehen.

Spuren

Fischotter leben zurückgezogen und sind nur mit Glück zu beobachten. So wurde der Fischotter, der sich Ende 2009 und Anfangs 2010 im Kanton Graubünden aufgehalten hat, nur dank der automatischen Videoüberwachung der Fischtreppe des Kraftwerkes Reichenau nachgewiesen, die er bis zur Sichtung der Videoaufnahmen unbemerkt einige Male benutzte (mehr dazu unter: www.prolutra.ch, News vom 5.5.2010).


Foto: Susana Freire, Lutra alpina

Oft verraten uns Fischotter ihre Anwesenheit in einem Gewässer nur durch ihre Spuren: durch die typischen Trittsiegel in Schlamm oder Schnee, oder durch Kot, der zum Markieren auf exponierten Stellen abgesetzt wurde.


Losungshaufen als Informationsquelle
Seine Losung (Kot) setzt der Fischotter bevorzugt am Gewässerrand auf Felsblöcken, grösseren Steinen oder Sandbänken ab. Die frische Losung verströmt einen starken Duft, welcher durch Anal­drüsen produziert wird. Dieser dient dem Fischotter dazu, seine Präsenz im Gebiet zu markieren und um Informationen für andere Fischotter zu hinterlassen. Diese können so anhand der Duftmarken erkennen, ob und wie viele andere Fischotter in einem Gebiet anwesend sind, welchen Geschlechts die markierenden Fischotter sind und ob ein Weibchen paarungsbereit ist.

Fischotter-Losung Fischotter-Losung
Fischotter-Losung

Typische Orte, wo Fischotter ihre Losung absetzen, um das Territorium zu markieren.

Fischotterlosungen, auf einer Uferverbauung und einem Stein abgesetzt.

Bild oben: Christian Bucheli, Bild unten: Sandra Gloor

Die Losungshaufen bleiben an witterungsgeschützten Orten, zum Beispiel unter Brücken, über längere Zeit erhalten. Weil Sichtbeobachtungen von Fischottern äusserst selten sind und ihre Fuss- und Frassspuren leicht mit anderen Tieren verwechselt werden können, bilden diese Markierungen oft die einzige Möglichkeit, die Präsenz und Aktivität von Fischottern sicher nachzuweisen.

Aktiv auch im kältesten Winter

Systematik der Fischotter
Bild Biopix.dk
 

Fischotter sind während des ganzen Jahres aktiv und machen keinen Winterschlaf. Ihr dichtes Fell schliesst Luft ein und bildet so eine Isolationsschicht, welche den Fischotter gegen die kalte Luft schützt. Dennoch benötigen Fischotter für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur viel Energie und müssen dazu regelmässig Nahrung zu sich nehmen.

Im Unterschied zu vielen Pflanzenfressern, legen Fischotter keine Nahrungsvorräte an und fressen sich auch keine Fettschicht an. Daher sind sie besonders im Winter auf Gewässer mit einer guten Nahrungsgrundlage angewiesen. Das Tauchen im kalten Wasser ist kein Problem, das Fell der Fischotter wirkt wir ein Neopren-Anzug und verhindert, dass sie zu stark auskühlen. So können Fischotter auch Gewässer mit einer Eisschicht auf Nahrungssuche gehen. Einzige Bedingung ist, dass in der Eisschicht Löcher vorhanden sind, welche die Fischotter zum Ein- und Aussteigen nutzen können.

 

 


Fischotter