Tagesverstecke

In der natürlichen Ufervegetation finden Fischotter sichere Tagesverstecke. Störungsfreie Bereiche werden dabei bevorzugt. Foto: Irene Weinberger

Der Fischotter ist im Alpenraum vorwiegend nachtaktiv. Hierzulande schlafen Fischotter tagsüber – und das gut und gerne 17 Stunden pro Tag! Wer so viel schläft, benötigt Verstecke, die Sicherheit vor den natürlichen Feinden bieten und auch vor Regen, Wind, Hitze und Kälte schützen. Dort nutzt er Verstecke in Wurzelgeflechten, in Asthaufen oder schläft mitten in der dichten Ufervegetation. Doch die Ufervegetation ist gefährdet: Vielerorts fehlt sie gänzlich oder ist auf einen schmalen Streifen reduziert worden. Gleichzeitig sind Gewässerbereiche überaus attraktiv für Menschen. Der Verlust von Ufervegetation und die zunehmende Nutzung der Ufer durch den Menschen führen zu einem Mangel an guten Verstecken für den Fischotter.

Wo Menschen in die Natur eingreifen und Ordnung schaffen, werden Versteckstrukturen vielfach rar. Mit einfachen Mitteln lassen sich fischotterfreundliche Uferbereiche gestalten, wo der Fischotter wieder Verstecke findet. Zu begrüssen sind zudem Wildruhezonen an Gewässern, um die Nutzung und Bedürfnisse von Mensch und Wildtier zu entflechten.

 

Schlafplätze in der Ufervegetation

  • Pflegemassnahmen entlang der Gewässer abschnittweise durchführen, so dass immer vegetationsreiche Uferbereiche stehen bleiben.
  • Schnittgut von Ufergehölzen zu Holzbeigen, Asthaufen oder gar Astwällen aufschichten. Asthaufen sollen mindestens 1,5 m Höhe erreichen und einem ebenerdigen, geschützten Hohlraum von ca. 50 cm Durchmesser aufweisen, der durch mindestens zwei Zugänge mit einer Höhe von etwa 20 cm erreichbar ist.
  • Die Strukturen sollen in unmittelbarer Gewässernähe liegen oder sich zumindest auf der Gewässer zugewandten Seite eines Weges oder Strasse befinden.

 

Wildruhezonen entlang der Ufer

Fischotter sind im Alpenraum weitgehend nachtaktiv. Entlang der von uns intensiv genutzten Gewässerbereiche benötigt der Fischotter daher tagsüber Zonen, wo er vor Störungen durch den Menschen und vor Hunden geschützt ist. Bereiche mit vielen Versteckmöglichkeiten, die sich als Schlafplätze für Fischotter eignen, können als Wildruhezonen ausgeschieden werden:

  • Wildruhezonen sollen auf einer Gewässerabschnittlänge von mind. 20 m eine naturnahe Ufervegetation mit einer Breite von mind. 10 m aufweisen.
  • Der Zugang für Mensch und Hund zum Gewässer soll durch Besucherlenkung oder durch physische Barrieren wie Astwälle, Brombeeren und dornige Heckensträucher erschwert sein.
  • Lieber kleine Wildruhezonen, dafür viele. Die Distanz zwischen den Bereichen beträgt idealerweise etwa 140 Meter, unabhängig von der Gewässerseite.

 


Weitere Informationen

Merkblatt Fischotterfreundliche Ufer. Pro Lutra, 2020

Weinberger et al, 2019. Riparian vegetation provides crucial shelter for resting otters in a human-dominated landscape. Mammalian Biology 98, 179-187.

Zusammenfassung Weinberger et al, 2019. Mammalian Biology

 


Impressionen von Tagesverstecken und Herausforderungen für den Fischotter